Brief 36

http://tracking.technodesignip.com/?action=count&projectid=642&contentid=6575&referrer=-&urlaction=r...  LIEBER  AXEL  !
 
NIE WIEDER HAUSARBEIT,   ICH SAG ES DIR !  DAS HAT VIELLEICHT LANGE GEDAUERT,  BIS ICH MIR HILFE  GEHOLT HABE !  DIESE  1000 HANDGRIFFE,  DIE ICH NOCH NEBEN DER ARBEIT GEMACHT HABE  !   ... Língua de ForaLíngua de ForaLíngua de Fora ...  SCHOEN BLOED  VON MIR ...  UND SCHOEN ANSTRENGEND WAR ES  !!!
ES NICHT MEHR
IS` JA  AUCH  EGAL, NUR    ...    RUECKSCHRITT GIBT . 
HAB` ES AUFGEGEBEN,  PAULA  DEUTSCHE ORDNUNG  BEIZUBRINGEN.  MAN SCHRAUBT ALLMAEHLICH SEINE UEBERKANDIDELTEN ANSPRUECHE RUNTER UND LERNT  ANDERE WERTE ALS SAUBERKEIT UND ORDNUNG  ZU SCHAETZEN.   PAULA  WOHNT GLEICH UM DIE ECKE,  SAGT  BESCHEID, WENN SIE NICHT KANN,  MACHT IHRE ARBEIT OHNE VIEL WORTE,  HANDY -  ODER  TONBESCHALLUNG.  SCHAUT NACH DEM RECHTEN, WENN ICH NICHT DA BIN  -  RAEUMT AUF, WAESCHT, LUEFTET, GIESST .....    WAS  WILL  ICH  MEHR  ???

 
SÃO PAULO WAR WIEDER MAL EINE WILLKOMMENE  ABWECHSLUNG  IN MEINEM  NORDFRIESISCHEM  ALLTAGSLEBEN.  WENN MAN SÀO PAULO SAGT, KANN DIE STADT  O D E R   DER BUNDESSTAAT GEMEINT SEIN  -  IN MEINEM FALL `DAS INNERE` VON  SÃO PAULO.  ABER SELBST  DIE PROVINZ DORT  IST ZIVILISATION GEGEN  D A S  HIER.  BRAUCHE ETWAS, UM MICH WIEDER UMZUGEWOEHNEN.  DAS IST AUCH DER GRUND, WARUM ICH NICHT SO SCHARF DARAUF BIN, ZWISCHEN  DEN WELTEN,  SPRICH  EUROPA  UND  HIER,  HIN - UND HERZUPENDELN.  ICH HABE MICH FUER BRASILIEN ENTSCHIEDEN,  ICH  MOECHTE HIERBLEIBEN .   ES GIBT SO VIELES, DAS ICH MAG.  NUR BRAUCHT ES SEINE ZEIT,  SICH VON EINEM EXTREM ZUM ANDEREN UMZUGEWOEHNEN .   ABER  ICH MERKE JA, WIE MIT BESSERER KENNTNIS DAS LEBEN  ALLMAEHLICH LEICHTER WIRD.   GOTT  SEI  DANK  !!! MACH`S  GUT,  ICH MELD` MICH WIEDER.  L.G. D.M.

 
PS PAULA KAM HEUTE NUR KURZ AUFRAEUMEN,  WEIL SIE ETWAS IM ZENTRUM ZU ERLEDIGEN  HAT.  HAB IHR MEINE  STROMRECHNUNG ZUM BEZAHLEN MITGEGEBEN ...  UND  SCHON  HAB` ICH  FREI.  PAULA  SEI`S  GEDANKT  !!!                                    http://tracking.technodesignip.com/?action=count&projectid=642&contentid=6575&referrer=-&urlaction=r...    http://tracking.technodesignip.com/?action=count&projectid=642&contentid=6575&referrer=-&urlaction=r...   http://tracking.technodesignip.com/?action=count&projectid=642&contentid=6575&referrer=-&urlaction=r...

Brief 35

Lieber Axel !
War gerade eine Woche lang mit einer Bekannten in  Mundaú.   
H e r r l i c h !   Frischer Wind,  gleissendes Licht,  leuchtende Farben,  Himmel, Sand und Meer  -Sehe  Motive ueberall ......  irgendwann hab ich auch wieder einen Fotoapparat ... dann geht die Post ab !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
 
Inzwischen kenn ich einen netten Fahrer fuer die Strecke  Mundaú - Fortaleza  und zurueck  -    ein weiterer Mosaikstein  zur Vereinfachung meines Lebens..  Wir haben die Gegenbewegung gemacht  -   Montag,  wenn alle wieder arbeiten, hin  und  Samstag, bei entgegenkommenden Autoschlangen,  z u r u e c k.   Nette Franzoesin auf Weltreise kennengelernt.  Werde ihr Reise-blog verfolgen.   Hinterher gar nicht erst nach Hause, gleich zu  I R I S.  Von dort am Abend zur  

W E I H N A C H T S F E I E R   einer  Gehoerlosenschule  fuer nicht so Betuchte.  Wir haben  zwei  Patenkinder zum Beschenken uebernommen. Iris einen Jungen,  ich  Kelly, 12 Jahre alt.  Hoffentlich hat sie sich ueber die Tasche mit Krimskrams gefreut.  Die Lautsprecherbeschallung war so ohrenbetaeubend,  dass ich hinterher fix und foxi  und nicht mehr in der Lage war, Taxi zu rufen, Weg zu erklaeren, mein Haus zu finden .....  und bei Iris einfach aufs Bett geklappt bin.  Wollten am naechsten Tag eh zum alljaehrlichen  Weihnachts-Bazar der Waldorfschule (die einzige im ganzen Nordosten)  bei mir in der Naehe.  Was das Ganze mit Weihnachten zu tun hatte,  hab ich nicht rauskriegen koennen. Habe jedenfalls gut gegessen  und  frisch gebackenes  Vollkorn - Knoblauchbrot  fuer  z u h a u s e  und  zum Einfrieren mitgenommen.
D A   war,  uff, was fuer eine Erleichterung ,  alles  o.k.   Die letzte aller meiner Rosen  noch am Leben, die Maracuja - Pflanze  tatsaechlich immer noch am an der Waescheleine - Hangeln und haessliche Mauer verschoenernd, die zarten Pfefferminzblaettchen  im Kuebel kraeftig gruen und auch sonst alles schoen gegossen.  Ich happy  ...  Smiley  Smiley Smiley   ...   und   sooooo  froh, dass ich  Paula   habe   !!!   Ihr den Schluessel zu lassen war ein Risiko, weiss ich  und Brasilianer haetten das, glaube ich,  n i c h t  getan.....  Is` a l l e s   Risiko, was soll`s. 
Viele liebe Gruesse .........  deine  Mom
 
PS 
Bin  v i e l  weniger, wenn ueberhaupt, erschoepft.   Paula sei Dank !

Brief 34

Hallo Axel,   habe 20 Minuten Zeit, bevor ich aus dem Haus gehe, das ganze Wochenende nicht da bin,  danach verreise, danach  wahrscheinlich Stress zuhause haben werde,  danach Waesche wasche,  Koffer packe, nach São Paulo fliege .... und so weiter und so fort.  Und da wunder ich mich, dass ich fix und alle bin !!!!    Hab`mein Speed  s c h o n  etwas runtergeschraubt,  nur leider wird mir schnell langweilig   -  .  Du glaubst gar nicht, wie schoen das Leben mit Paula ist.  Nein, keine neue Freundin und auch kein Schosshuendchen.   Paula ist mein Ein und Alles,  meine grosse Stuetze im Haus, meine stille Perle ......    Irgendwann hatte ich den Mut,  sie jeden Vormittag kommen zu lassen.   Wir ueben .....   Putzen,  Waesche aufhaengen,   Staubwischen  .... oje, das ist vielleicht ein Stress, ch bin doch nicht die tolle Hausfrau.   Aber sie ist suess still gelehrig,  ich sehr geduldig,  kehr die Lehrerin raus   -    immer kleine Haeppchen  -   Lernplateau hiess das, glaub` ich, frueher  -   bloss nicht zuviel auf einmal,  nicht ueberfordern,  weiter ueben  ......
 
Wenn ich mir vorstelle, dass ich vorher alles selbst gemacht habe,  so richtig nach Europaeerart !   Wahnsinn,  das geht bei dem Klima und dem Nervkram im Alltag nicht.  Die Augenuntersuchung hat Gott sei Dank nichts Schlimes ergeben.  Einfache Uebermuedung,  too much alles. Paula schliesst schon die Fensterlaeden hinter mir,  wir muessen los. Tschau, mach`s gut, bis zum naechsten Mal. L.G.d.Mom

Brief 33

Lieber Axel !
 
Auch Brasilien hat nun seine erste   F r a u   an der Regierungsspitze !   DILMA  ROUSSOFF,  Tochter bulgarischer Einwanderer nach dem 2. Weltkrieg.  Gross aendern an der Politik wird sich nichts.   
Die  G r u e n e n   haben den Sprung nach ganz vorne nicht geschafft,  aber viele, und ich auch,  setzen ihre Hoffnung auf die naechsten Wahlen  und die echt alternative Gruenenkandidatin  Marina  Silva.
 
Heute ist Feiertag, keine Ahnung welcher,  es gibt zuviele davon. In Deutschland verbindet man die Feiertage wenigstens mit der Jahreszeit  -   1. Mai... Fruehling,   Tag der Deutschen Einheit... Herbst,  Totensonntag ... Regen,  Weihnachten ...  kalt,     aber hier .... ???   Immer gleich warm.
 
Die  H I T Z E  setzt dieses Jahr verzoegert ein, und ich bin dankbar fuer jeden  verzoegerten Tag.  Es weht ein unnatuerlich starker Wind,  was Erleichterung  bringt.   Habe mich in  Petrolina mit Sommer - Ueberlebenstips eingedeckt.  Ich will nicht noch einmal das Fiasko der letzten Hitzewelle ( Februar/Maerz 2010), die in diesem Masse unvorbereitet ueber mich hereinbrach, erleben  -  .
 
Muss duschen und los,  mach`s gut, bis zum naechsten Mal .....
L.G.  d e i n e   MOM
 

Brief 32

Fortaleza, 30.9.
Hallo, lieber Axel!
Mittwoch ist  Iris - Tag,  das hat sich so eingebuergert, weil sie mittwochs ihren Oekostand in der Waldorfschule bei mir in der Naehe hat und ich mir angewoehnt habe, sie dort zu besuchen, Mittag zu essen und einzukaufen,  wenn ich denn mal im Lande bin ! Bis  auf Klopapier besorgt sie einem so ziemlich alles. Ausserdem schaetze ich ihre Erfahrung, ihr Fachwissen und das Qualitaetsbewusstsein bei der Auswahl ihrer Produkte. 
Inzwischen ist sie motorisiert und noch beweglicher als vorher. Manchmal unternehmen wir etwas nach der Schule, manchmal uebernachte ich bei ihr oder sie kommt zu mir. Iris ist Schweizerin, der praktische, zupackende Typ  - mit Dauermundwerk. Versorgt mich mit gesunden Nahrungsmitteln und jeder Menge praktischer Tips fuers Ueberleben. 
So dueste sie gestern aus dem Stand heraus mit mir zur naechsten Texaco - Tankstelle mit internationalem Geldautomaten, damit ich fuer den sehr wahrscheinlichen Bankstreit mit leeren Geldautomaten geruestet bin.  Das letzte Mal hat es zwei Wochen gedauert !
  Montag fliege ich nach Petrolina in meinen urigen Spa. Eigentlich wollte ich diesmal dort ein Praktikum  machen und in die Fitotherapie (Pflanzenheilkunde) einsteigen, aber im Moment ist mir mehr nach Abhaengen und Verwoehntwerden.
Iris macht fuer mich einen Termin beim Augenarzt ab,  vielleicht hat dieses starke Angestrengtsein, das ich leicht habe,  auch mit den Augen zu tun ?!
Sei recht herzlich gegruesst
Deine Mom
  

Brief 31

Mundaú, 3.9. Der Wind pfeift durch alle Ritzen und die Flut kracht gegen Leos privaten Deichschutz aus acht Lastwagen Felsbrocken fuer 40.000 Real (wie fuer dich 40.000 Dollar oder fuer mich 40.000 Euro). So ungefaehr !
 
Es stuermt schon die ganze Zeit. Der starke, wenn auch warme, Wind greift mich an. Der Kopf fuehlt sich dumpf an, Augenraender, Ruhebeduerfnis.  -
 
Denke mit Wehmut an die  interessante "internationale Woche" zurueck,  war mal was anderes  - die anregenden Gespraeche und  der Hauch vom Duft der grossen, weiten Welt in der doesigen Pousada  "Caboco Sonhado" !
 
Djemila  hat mir ein Taschenbuch von Chico Buarque ("Budapest") hiergelassen,  d e m  brasilianischen Chansonnier ueberhaupt  und lese jetzt auf franzoesisch (!!!) wie ein brasilianischer Kuenstler zum ersten Mal Europa auf Reisen erlebt.  Lese im Andenken an die charmante Djemila mit dem Berberblut und in Dankbarkeit fuer die Pflaster, Antibiotika, Allergie - An - und Abschwellmittel und die franzoesische Luxuskosmetik, die sie mir dagelassen hat.
 
FRAGE Wozu braucht Mensch Sonnenschutzcreme in der Sprueh-flasche ?
 
Konnten ueber das Thema keine Einigung erzielen. In ein paar Tagen geht es zurueck in die Stadt. Sei recht herzlich gegruesst deine Mom PS Habe das Fotoalbum  "Kinder in Mundaú"  fertig.  Es zeigt u.a. auch, wie es im Ort und am Strand aussieht und zugeht. Ein Portugiese meinte, wie an der ALGARVE  vor 60 Jahren  -  Nostalgie  pur !

Brief 30


Mundaú, 27.8.L.A.   
Wenn das so weiter  geht, ist es bald mit Leos Ruhe aus und er wird nervoes.  Ein Gast hat seine Adresse in einen internationalen Reisefuehrer gesetzt und nun kriegt er komplizierte Anrufe in allen moeglichen unverstaendlichen Sprachen. Und was die Auslaender so alles wissen wollen !  Mich will er nicht an die Rezeption setzen, ich bin zu teuer !   Meine Apartmentnachbarn, ein unhoerbares Ehepaar ohne Kinder aus RIO,  eine Franzoesin mit arabischem Namen, ein Paerchen aus Parma und Milano, Alberto aus Barcelona, eine schwangere Cubanerin mit spanischem Gatten, Weltenbummler aus der franzoesischen Schweiz  und  ich als Vertreterin der deutschen Nation. "Cabôco Sonhadô"  hat sowas noch nie gesehen. Damit hat Leo endlich seine Pension voll mit den herbeigewuenschten ruhesuchenden Naturliebhabern. Fuehlt sich richtig animiert, mit uns eine Vollmondwanderung durchs Duenengelaende  und eine weitere zu Fuss, bei Ebbe, zum vorgelagerten Korallenriff machen.  Abenteuer pur fuer Pfennige. Leider gibt es keine neuen Fotos, mir ist die Kamera geklaut worden. Vielleicht stelle ich neue Alben aus aelteren Fotos zusammen z.B. "Kinder in Mandaú", was meinst du ?  
L.G. d. M.

Brief 29






L.A.  Weisst du noch unser Alternativprogramm in RIO  vor 2 Jahren, als wir die Favela - Tour gemacht haben ?  Die groessere der beiden, die wir gesehen haben, war die Favela `Rocinha`, eine riesige Stadt in der Stadt mit dem sogenannten`Drogenguertel`, einer Strasse am Eingang, wo die Konsumenten aus der anderen Stadt zum `Einkaufen`reinkommen.

Nun denn, da, 500 Meter entfernt, hat`s mal wieder richtig geknallt zwischen Polizei und Drogenhaendlern. Ich hab`s  von Binha.  Ob ich am Wochenende ferngesehen haette ?  Nee, hab ich nicht. Er fummelt am Laptop rum, stellt etwas ein und ich sehe einen Lastwagen, Typen mit Knarren rumrennen und hoere das Zischen des Kugeln durch die Luft  -  richtig Wildwest.
Auf der einen Seite 23 Drogenhaendler aus der `Rocinha`, auf der anderen Seite die Polizei und in der Mitte  -   das Hotel Continental !  Wie sich die Gaeste wohl gefuehlt haben ?   Dafuer gehen jetzt jede Menge Amateurfilme und Fotos durch die Medienlandschaft. - 

Den Gaesten ist nichts passiert.  Das Hotel muss jedenfalls renoviert werden.  Unter den Drogenhaendlern hat es eine Frau erwischt. Wie es genau ausging, weiss ich nicht. 
Ob er mir das Info Programm installieren soll ?  Nee, braucht er nicht,  Picasa 3  und meine Fotos reichen mir.
L.G. d. M.

Brief 27


Hallo Axel,   wie gut, dass ich  zwei  Badezimmer habe !  Das Waschbecken in meinem Bad ist in die Tiefe gerauscht. Ich hab vielleicht bloed geguckt, als es gestern Abend nicht mehr da war, wo es zu sein pflegt !
Erstmal Panik.  Was nun ?   Im Halbschlaf heute Morgen fiel mir dann zum Glueck der Name von dem Klempner ein, den ich vor zwei Jahren rufen musste  - und im Kalender 2008 fand ich auch, o Wunder,  seine Telefonnummer.  Damals traf mich der Schock, als an einem schoenen Samstag Mittag, mitten im  Abwasch die Spuele in die Tiefe stuerzte.

Damals war ich noch so naiv, mir eine Quittung fuer meinen Vermieter geben zu lassen.  Heute weiss ich, warum Wohnung - Mieten so unbeliebt ist.  Vermieter stellen sich in der Regel stur, lassen ihre Haeuser verkommen,  waelzen  a l l e   Unkosten -  Grundstueckssteuer, Haussteuer, Bankkosten ... etc...  auf den Mieter ab und erhoehen jedes Jahr automatisch die Miete.  Nach dem Motto  -  alle Kosten beim Mieter, alle Rechte  beim Vermieter !    So ist es eben  -   die Nachfrage ist groesser als das Angebot !
L.G.  deine Mom

Brief 26

Fortaleza, 18.7.2010
 
L.A.   Bin wieder zuhause, an einem dieser doesigen Sonntage, die nichts von einem erwarten und die ich deshalb so liebe. Kaum war der Laptop an, wurde ich von Michele aus Schweden angeskypt. Bei ihr 18 Uhr, ich noch vor dem Mittagessen. -   Da sie mich voriges Jahr im Internet nach ueber einem halben Jahrhundert ueber meinen Maedchennamen wiedergefunden hat, erzaehlte ich ihr von dem Mail einer Doris Wiederhold, das ich heute erhalten hab. Ich kenne sie nicht, aber vielleicht sind wir ja zufaellig ueber 100 Ecken verwandt, wer weiss, denn soviel gibt es die Wiederholds nicht. Und ploetzlich waren wir im Gespraech bei der Schoenhauser Allee 107. Unsere 4 Zimmerwohnung von einst soll heute ein Vermoegen kosten - und damals hab ich mich vor dem Westbesuch fuer unser Haus geschaemt !  Runtergekommen von aussen, verwahrlost innen. Der oede Hauseingang mit den verschmierten Waenden, den zersprungenen Kacheln und dem blinden Spiegel  -.  Aermlich, schaebig, trostlos, grau - so wie es im Osten war. Meine Mutter wollte immer weg, draengelte, aber mein Vater zoegerte bis zum letzten Moment. Ich glaube, er hatte Schiss vor dem Konkurrenzkampf im Westen. Schliesslich wurden die Zustaende so unertraeglich, dass  sie "ruebergemacht" sind, als Letzte aller Bekannten und Verwandten um uns herum. Das war 1959, im Jahr vor dem Mauerbau. Schwein gehabt, denn wenn sie geblieben waeren, waerst du in der DDR geboren !
Hier alles o.k.  

L.G.  deine  Mom
Sao Luis, 4.7.2010
 
L.A  
Was fuer zwei Fussballtage !    
Die Emotionen um mich herum sind am Kochen.  Was fuer eine Enttaeuschung fuer ganz Brasilien das Hollandspiel !  Die Nachrichten kennen kein anderes Thema. Hier kann Krieg ausbrechen und das merkt keiner.  Ein Land ist zusammengeklappt, der einfache Mann in seinem Schmerz versunken.  Man geht resigniert an die Arbeit zurueck.  Brasiliens Schande ist erst einmal ein Tabuthema.  Kakas kleiner Sohn wird im Fernsehen gezeigt : " Papa komm nach Hause, wir haben dich trotzdem lieb". Die Hoffnung wird auf Deutschland verschoben. Es ist, als ob Brasilianer ploetzlich zu Germanen mutierten.  In dem Ausflugslokal, in dem wir beim Mittagessen die zweite Haelfte Deutschland - Argentinien  mitverfolgen, kommen mir alle anderen Zuschauer deutscher vor als ich es bin.  Jedes Tor wird bejubelt, sie springen auf, stoehnen, schreien, freuen sich ..... -  ich glaub, ich bin im Wald ! Demnaechst  vielleicht mehr aus dem Fussballand ......   
L.G. d.M.
 

Brief 24

L.A.  Komme gerade von Binha, dem Besitzer meines ehemaligen Internetcafés, dem von mir so genannten `Affenstall`. Inzwischen lebt er nur noch von Kundenbetreuung und Reparatur. Ich bin eine seiner, ich weiss nicht wievielen Kunden, die an seinem Internet haengen. Ich nehme laehmende Langsamkeit zu Stosszeiten in Kauf  dafuer, dass ich  bequem Binha monatlich das Geld in die Hand druecke und keinen bindenden, teuren Vertrag mit einer der grossen Telefongesellschaften eingehen muss. Vertraege kuendigen, wechseln kann zum Drama oder zu einer Never- ending- Story werden. Da ist mir Binha 1000 Mal lieber, ausserdem wohnt er ueber dem Laden um die Ecke und kommt sofort angespritzt, wenn ich ihn mit einem digitalen Problem anrufe. Kostenloser Kundenservice sozusagen. Wir kommen natuerlich auf Fussball zu sprechen, denn heute Nachmittag um halb 4  spielt Brasilien gegen Chile. Binha ist so ein ganz Gutmuetiger, Emotionaler. Er klaert mich mit leuchtenden Augen auf.  Wenn Brasilien gewinnt, fliesst das Bier in Stroemen und keiner arbeitet mehr. In Fortaleza bleiben heute Nachmittag die Uhren stehen, nichts geht mehr, auch kein Bus.  Heute Nachmittag koennte man mit Handys auf der Strasse rumspielen, keine Gefahr, kein Dieb weit und breit zu sehen. Alle fiebern mit den heimischen Jungs.  Wir sind naemlich grosse Patrioten.    Wenn Brasilien verliert ?   Binha verfaellt ins Nachdenken.  Dann sind wir alle traurig. Dann gehen wir wieder arbeiten. Ein Glueck, dass ich erst morgen verreise. Bis dahin hat sich die Lage wohl wieder normalisiert. L.G.  deine Mom

Brief 23


L.A.  Es ist  schon halb 12 Uhr  und ich sitze immer noch in meinem Flieger nach Fortaleza und sehe immer noch das Rollfeld links neben mir.  Was machst du gerade?  Am Einschecken  nach Houston  oder schon in der Maschine ?  Vielleicht sitzen wir beide in Flugzeugen und warten aus Abheben.
Die Eile mit mir haetten wir uns heute Morgen ersparen koennen.  Erst kam die Maschine verspaetet an und verzoegerte das Einsteigen, dann gab es keine Starterlaubnis  - Ueberbelastung, erhoehtes Flugaufkommen,  unvorhergesehene Probleme, was weiss ich. Der uebliche Kram ! Seit 2 Stunden sitzen wir schon zusammengepfercht in der rappelvollen Kiste auf dem Trockenen  und lassen uns von der beschwichtigenden Stimme aus dem Cockpit hinhalten.  Um mich herum Gleichmuetigkeit, Ruhe, Geduld. Keiner sagt etwas oder verlangt Wasser. Einige roecheln mit offenem Mund vor sich hin, andere sind in Lektuere, Handys, Laptops oder Gespraeche vertieft. Einige Passagiere sind wieder ausgestiegen.  Der Pilot hat eine erfreuliche Nachricht -  wir sind auf Platz 3 in der Warteschlange vorgerueckt. Es ist wie in Supermaerkten, Banken, Postfilialen, auf Aemtern und Behoerden, bei Aerzten oder den Abfertigungen der Fluggesellschaften.   Ich habe keine Geduld fuer dieses Land. Sehne mich nach einem angenehmen Wohnort.D. M.

Brief 22


L.A.  bin auf dem Weg zu dir, im Flugzeug.
 
Kapitaen Gutenberg stellt sich vor und haelt eine kleine Rede. Die Flugdauer  Fortaleza - Rio  wuerde 3 Stunden 10Minuten betragen, die Ankunft  fuer 15.50Uhr vorgesehen und es sei schoenes Wetter  in Rio -  21 Grad.  S c h o e n e s   W e t t e r,  2 1 G r a d  ? ? ?   Naja !  Hoffentlich hab`ich die richtigen Klamotten mit ?!
 
Es war mal wieder Muttertag  und Zeit fuer unsere traditionelle Muttertagswoche in RIO. Weil du gerade in deinen jungen Tagen in L.A.  OPA  (und ich  UROMA) geworden bist, hat sich unser Termin etwas verschoben und wir kommen gerade rechtzeitig zur Eroeffnung der Fussballweltmeisterschaft  an. Nicht dass ich ein grosser Fussballfan waere oder du, aber es kann schon sein, dass die sprichwoertliche Begeisterungsfaehigkeit der Brasilianer auf uns kuehlere Naturen ueberspringt.
 
...SER  BRASILEIRO  É  FAZER  TUDO  COM  PAIXÃO ...
 
erscheint gerade in Grossbuchstaben auf dem Videoschirm ueber mir, was soviel heisst wie  ... 
 
Brasilianer sein heisst, alles mit Leidenschaft tun.
 
Schaun wir mal ...  bis gleich...  d.M.

Brief 21

L.A.    Der Winter faellt dieses Jahr aus.  Die Natur braucht dringend Wasser  -  und ich  eine  Aufgabe, damit ich die  Hitze   aushalte.
L.G.   d.M.

Brief 20

L.A.   Ahnte schon im Morgengrauen, dass dieser Tag anders wird. Plaene, im Parque de Cocó, dem Kokuspalmenpark, zu laufen und danach irgendwo nett zu fruehstuecken, im Regenguss ertraenkt. Also nur fruehstuecken!   DAISY  vom alternativen Taxiservice anrufen, Preis fuer hin und zurueck verhandeln und ausmachen, dass sie mich hinterher wieder abholt. Die neue  Padaria  DELITALIA (Cocó), eine Luxusbaeckerei in dunklem Holz gehalten, mit internationalen Delikatessen in den Regalen und kulinarischen Koestlichkeiten unter Glas, laesst mein Geniesserherz hoeher schlagen. Sehe mit einem Blick in die Speisekarte, dass dies der ideale Ort fuer ein Stueckchen Kuchen oder Waffeln oder ACAI  mit Granola  am Nachmittag  oder  fuer PIZZA auf der Aussenterrasse am Abend ist.
 
ZEITUNGSLEKTUERE  im Preis inbegriffen. Es liest sich folgendermassen: 18jaehriger Student beim Verlassen der UNI entfuehrt und14Tage gefangengehalten
 
italienischer TOURIST (52J) bei einem Ueberfall in "meiner" Avenida Washington Soares, wo ich bei  TOK STOK (sowas wie Ikea)  manchmal Kaffee trinken gehe, erschossen
 
K L I M A V E R A E N D E R U N G E N   in Brasilien bewirken  noch mehr Hitze, noch mehr Trockenheit in dem armen, heissen, trockenen Nordosten, etwas mehr Waerme im kuehleren, europaeisch gepraegten Sueden.
 
Es wird mit einem zweiten E X O D U S aus dem veroedenden Inland gerechnet. Das bedeutet noch  m e h r   A R M U T, noch m e h r E L E N D  und  noch m e h r  K R I M I N A L I T A E T  in den grossen Staedten.  Das soziale Gefaelle zwischen Arm und Reich, Nord und Sued  wird sich weiterhin verschaerfen.
 
Ich will nicht bis zum allgemeinen  EXODUS  warten und schon vorher weg.  Aber  wohin ?   L.G.  d.M.

Brief 19

L.A.  Wenn ich noch viel oefter nach  PETROLINA in  Pernambuco  fahre (fliege),  fange ich auch noch an, mich fuer Naturmedizin zu interessieren. Einen leichten Hang dazu hatte ich ja immer schon und erblich vorbelastet bin ich auch. Mein Vater, dein Opa Wiederhold, war zwar  bis nach dem Krieg  ein normaler praktischer Arzt und Geburtshelfer und danach  Hals-Nasen-Ohrenarzt, aber  er war anders als normale Aerzte.Traute aus Erfahrung keinem Kollegen, machte auf die Nebenwirkungen der Chemiemedizin aufmerksam und warnte vor dem Auftreten von Resistenz bei vor zuvieler Verabreichung von Penicilin - ein Tabuthema zur damaligen Zeit.  PENICILIN  war das  Zaubermedikament der Nachkriegszeit.  Das Land musste wieder aufgebaut werden, es gab Arbeit in Huelle und Fuelle, man konnte und wollte sich kein Kranksein erlauben, und Penecilin war die Wunderwaffe, die einen im Handumdrehen wieder auf die Beine brachte.  Von Resistenz wollte damals niemand etwas hoeren. Die Chemieglaeubigkeit war so gross wie  heute in Brasilien. In riesigen Apotheken, die mit ihrem bunten Warenangebot an Supermaerkte erinnern, werden hier Medikamente ohne aerztliche Verordnung frei verkauft und  Apotheken liegen gut im Geschaeft.Dein Opa wurde oft als geschaetzter Diagnostiker zu Rate gezogen.  Vertraute  nicht allein auf Laboranalysen, sondern daneben auch auf seinen Erfahrungsschatz und  sieben Sinne .  Er hatte, zu seinem eigenen Leidwesen ( !),  eine hochempfindliche Nase,  roch  Krankheiten foermlich. Sah die Gesichtsfarbe eines Patienten,  die Augenpartie, scharfe Falten um den Mund, sah sich grundsaetzlich die Zunge an, die Koerperhaltung, den Bauch etc.  Wenn ich an meinen Vater als Arzt denke, sehe ich ihn am Fenster stehen, wie er es sich, gegen das Licht gehalten, ausgiebig  Roentgenaufnahmen anschaut.   Heute weiss ich erst, wieviel ich als Kind aus Beobachtungen und Gespraechen der Eltern ueber medizinische Dinge mitbekommen habe. Das Misstrauen gegen Aerzte hab`ich uebernommen.  Wenn ich`s richtig bedenke, haben mir im Leben richtig geholfen nur Heilpraktiker. Wie steht es mit dir ?   Hast du ueberhaupt eine Krankenversicherung ? L.G. ... deine Mom

Brief 18

L.A. Habe heute zum ersten Mal eine  NONI-Frucht gekostet. ZEZINHO, der fuer uns allmorgendlich die heiss-kalten Fussbaeder vorbereitet, brachte die maennerfaustgrosse, knubbelige, dunkelgruene Frucht mit dem milchig-weissem Fruchtfleisch und den vielen braunen Kernen aus dem Garten rein.  Geschmack e-kel-haft ! Hast du als grosser Noni-Importeur schon mal so eine gegessen ? d. M.

Brief 17


L.A.
Es ist Niedrigsaison, wir sind 5 interessante Frauen im  RECANTO ( brauchen Maenner keine Pflege? Sie tauchen nur hoechstselten an diesem Ort auf und dann nur als Ehemaenner ihrer Frauen oder als Halbtote, die reingetragen - oder reingeschoben werden muessen)  und ich wieder in Nr. 5 , meinem Lieblingszimmer im 1. Stock mit morgendlichem Blick auf aufgehendes Morgenrot ueber den niedrigen Daechern der umliegenden Haeuser.

Ich schlafe, schlafe, schlafe und sehe schon ganz rosig aus vor soviel Schlaf und den vielen Kraeuterdampfbaedern.
Mutter MARIA  meint, ich sollte fuer diese Gabe dankbar sein und den S T R E S S   der letzten 4 Jahre wegschlafen.
Ich hab mich kraeftemaessig ganz schoen ueberschaetzt und runtergewirtschaftet. Wie dem auch sei, da muss ich jetzt durch, und der  RECANTO  MADRE PAUINA in  PETROLINA (PE)  hilft mir dabei.

Ruhe gibt es aber immer noch nicht.  Ein Ortswechsel rumort schon lange in meinen Eingeweiden. In FORTALEZA  will ich
a u f   D a u e r  nicht bleiben.  Gehe in der Fantasie alle moeglichen Varianten durch und stelle sie mir im brasilianischen Alltag vor !  Anstrengend sind sie alle. Ich weiss nicht, ob ich die Kraft fuer weitere Experimente habe. Will mich in diesem Moment nicht schon wieder mit einer radikalen Veraenderung ueberfordern, will aber aus der Isolation amStadtrand  raus.  Die Minivariante waere, mir in guter Wohnlage in Fortaleza eine geeignetere Wohnung zu suchen  -   mit  K L I M A A N L A G E.  Schau'n wir mal !
Es geht mir schon ein bisschen besser  -   d.M.

Brief 16

L. A. 
Die Hitze geht weiter. Kein Ende in Sicht. Der Regen bringt keine grosse Erleichterung. Er faellt nachts, vor allem in den fruehen Morgenstunden und tagsueber dampft die Luft. Meine Hoffnung auf Schmuddelwetter wie im letzten Jahr, zerschlagen. Fuehle mich wie ein ausgewrungener Waschlappen in der Saunaluft, schleiche wie eine Wasserschildkroete durch den heissen Sand.  Habe mich im RECANTO MADRE PAULINA  in PETROLINA (Pernambuco)  zur ¨Kur¨ angemeldet, um nach diesem extrem heissen Sommerloch meinen gebeutelten Organismus  naturheilkundlich wieder fit zu machen.  Demnaechst von dort mehr ...
 
deine            Mom

Brief 15

LIEBER  AXEL 250 TOTE  NACH DEM LETZTEN GROSSEN REGENGUSS IN  R I O  UND  N I T E R O I, DER NACHBARSTADT AM ANDEREN ENDE DER BUCHT.  DAS SCHLIMMSTE  WAREN DIE ERDRUTSCHE AN DEN HUEGELN, WO DIE MENSCHEN LEBEN, DIE FUER DIE REICHEN UNTEN IN DER STADT ARBEITEN , ABER  DIE MIETEN DORT NICHT BEZAHLEN KOENNEN.
 
DIE FERNSEHBERICHTE KONZENTRIEREN SICH MIT SCHON AN PENETRANZ GRENZENDER AUSDAUER AUF DEN KATASTROPHENHUEGEL IN NITEROI , ZEIGEN DIE SUCHARBEITEN NACH VERSCHUETTETEN IM SCHLAMM  IN ALLEN EINZELHEITEN UND IMMER WIEDER UND NOCH EINMAL  IN NAHAUFNAHMEN WEINENDE, SCHREIENDE, VERZWEIFELTE MENSCHEN, DIE  alles, OBDACH, HABE UND FAMILIE  VERLOREN HABEN.
 
WIE ES  J E T Z T  IN DEN STADTTEILEN AM FUSSE DER HUEGEL  AUSSIEHT, Z.B. C O P A C A B A N A, WIRD VERSCHWIEGEN.  DIE LAGE HAETTE SICH ENTSPANNT, DAS LEBEN SEI ZUR NORMALITAET ZURUECKGEKEHRT, HEISST ES.  AUS GESPRAECHEN MIT LEUTEN, DIE TELEFONKONTAKTE NACH RIO  HABEN, WEISS ICH JEDOCH, DASS DIE SITUATION  SO  NORMAL NICHT IST UND DASS DAS FERNSEHEN DIE AUFRAEUMARBEITEN AM KATASTROPHENHUEGEL VON  NITEROI NUR BENUTZT,  UM VON  RIO  ABZULENKEN.
 
WO  MAN  IN  RIO   NOCH GUT LEBEN KOENNTE, WAEREN DIE  STRANDSTADTTEILE  I P A N E M A  UND  L E B L O N,  HOERE ICH VON VERSCHIEDENEN STEITEN.   KEINE LUST,  ZU INVESTIEREN? DEINE   MOM

Brief 14

LIEBER  AXEL ! EIN GLUECK, DASS WIR UNS NICHT GERADE JETZT IN  RIO   VERABREDET HABEN.   IN DEINER LIEBLINGSSTADT  IST DER TEUFEL LOS  -   AUSNAHMEZUSTAND  -  LANDUNTER -  HOCHSAISON FUER  DIEBSTAHLBANDEN.  -
  24 STUNDEN  DAUERREGEN  HABEN  DIE STADT LAHMGELEGT. DIE  ARMENVIERTEL AN DEN UNZAEHLIGEN HUEGELN DER STADT KLEBEND,  FORTGERISSEN.  SCHLAMMASSEN  MIT DEM ROTEN SAND DER BERUEHMTEN HUEGEL  STUERZEN  WASSERFALLAEHNLICH AUF DIE UNTEREN STADTTEILE  NIEDER .  PRACHTSTRASSEN  IN LEHMFARBENE , REISSENDE SCHLAMMFLUESSE VERWANDELT.  DER  WIE AUS HEITEREM HIMMEL  NIEDERPRASSELNDE TROPENGUSS HAT VIELE MENSCHEN  AUF IHREM WEG  ABGESCHNITTEN.  SIE UEBERNACHTEN   IN SCHWIMMENDEN OMNIBUSSEN,  AUF DAECHERN ...   IRGENDWO ... ..   IRGENDWIE...  ES HABEN SICH SOFORT  SPONTANBANDEN  GEBILDET  ZUM AUSRAUBEN  DER WEHRLOS  EINGESCHLOSSENEN. DAS  FERNSEHEN ZEIGT EINE LANGE WARTESCHLANGE VOR EINEM SUPERMARKT.  10  KUNDEN WERDEN ZUR ZEIT  NUR EINGELASSEN,  WEIL DAS BEDIENUNGS  -  UND  AUFSICHTSPERSONAL  FEHLT. DA  SOLL MIR MAL EINER SAGEN, BRASILIEN IST NICHT  EXTREM,  HAE ?
  DEINE
                MOM

Brief 13

LIEBER  AXEL !
 
ICH GLAUBE, ICH HABE HEIMWEH.  ICH BIN UNZUFRIEDEN, NOERGELIG UND NICHT GUT DRAUF.  ICH WILL MEINE FREUNDE WIEDERSEHEN. SO SCHNELL WIE MOEGLICH.
 
DEINE             MOM

Brief 12


Lieber  Axel ! Heute kamen mir zum ersten Mal  Z W E I F E L ... ob ich in Brasilien bleibe. Ich weiss nicht, wielange ich es noch aushalte. Das ist nicht meine Welt  - die Armut, das Elend, der Schmutz, die Rueckstaendigkeit, das eingeschraenkte Leben, die Isolation...  Ich habe mich bemueht, es zu moegen, habe gehofft ....  aber wenn ich mir weiter etwas vormache und Theater spiele, werde ich  d e p r e s s i v.
 
Am meisten vermisse ich das freie Leben, das ich gewoehnt bin. Aus dem Haus gehen zu koennen, wann immer mir danach ist, ziel - und planlos durch die Gegend zu ziehen, in der Natur spazieren zu gehen, im Park zu sitzen. Ich kann nicht mal im Auto sitzen bleiben und auf jemanden warten, das macht niemand hier ... weil es gefaehrlich ist.  Brasilianer kennen es nicht anders, fuer die ist die eingeschraenkte Lebensqualitaet und das staendige auf-der-Hut-Sein  Alltag und Normalitaet,  aber nicht fuer mich.
 
Was meinst du ... ?    Ich muss  mir echt etwas einfallen lassen.

 
                                 DEINE                                                 MOM

Brief 11

Lieber  Axel !
Die Hitze macht mich ganz fertig.  Morgens schon 30Grad bis abends und nachts keine Abkuehlung.  Das Haus ist so richtig schoen durchgeheizt.
Heute morgen versprachen dicke, graue Plusterwolken am Himmel Aussicht auf erloesendes Nass.  Ich rettete vorsorglich den Waeschestaender ins Haus und schloss die Lamellen der Holzfenster, bevor ich zum Sport ging. Jetzt bin ich zurueck  und   -  wieder schoenes Wetter !!!
 
Ich tu alles, was man so hoert, was man bei Hitze tun soll - Kreislauf auf Trab bringen, viel trinken, dies und das essen. Laufe schon als wandelnde Wassertonne rum, soviel schuette ich mir von dem fluessigen Zeug rein  -  Zitronensaft (Vitamin C), das Wasser der gruenen Kokusnuss (Mineralien), gruener Tee mit Pfefferminz- und Rosmarinblaettern aus meinem Kraeutergarten  und viel Zitrusfruechte und frische Ananas.
 
Oje, ich bin von meiner Putze verlassen worden. Gruendlich saubermachen in den Ecken und hinter den Schraenken war zuviel verlangt. Donnerstag kam sie nicht wieder. Ich am naechsten Tag sofort los mit Cristina einen Staubsauger kaufen. Kampf dem Staub  und dem an Boden, Decken und Waenden hockenden Ungeziefer,  denn jetzt bleibt die Arbeit wieder an mir haengen.  Am naechsten Morgen um 5Uhr,  bestimmt zur Freude meiner Nachbarn,  das ganze Haus von oben bis unten abgesaugt.  In 1 1/2 Stunden war ich durch.
 
Hausarbeit ist wahnsinnig aufwendig.  Es muss alles peinlich sauber gehalten werden. Jeder liegengebliebene Kruemel zieht  sofort einHeer von Ungeziefer an. Schraenke und Schubladen muessen regelmaessig auf unliebsame Besucher hin untersucht werden. Ich sag dir, manchmal koennte ich den ganzen primitiven Kram nehmen und an die Wand klatschen.
 
 Solche negativen Gedanken kommen immer besonders dann, wenn es mir mal koerperlich nicht so gut geht ... wie heute.
 
Deine
           Mom

Brief 10


Lieber  Axel ! Ich dachte immer, das richtige Leben spielt sich draussen ab und  dementsprechend richtete ich mein Leben  ein.  Aber jetzt, wo ich wegen der  H I T Z E   viel im Haus bleibe, mache ich ganz andere Erfahrungen.  Ich, die immer den Drang raus hatte und das Abenteuer in der Welt suchte, entdeckt gerade die   
V O R T E I L E   d e s    
Z U H A U S E B L E I B E N S  und findet sogar Gefallen daran.    Richtiges  Ahaerlebnis !  Muss nicht mehr  wie sonst viermal am Tag duschen, staendig die Klamotten wechseln und  Sonnencreme  schmieren.  Was fuer eine Zeitersparnis !    Muss nicht staendig aus dem Haus und irgendetwas erledigen.  Gerate nicht mehr unter Zeitdruck, brauch auch nicht  dauernd  planen, einteilen, organisieren  und mit  Uhr  und  Kalender  rumjonglieren.  Mache  nur was unbedingt noetig ist  und staune, wie sich  Liegengebliebenes  manchmal von selbst erledigt.Entdecke gerade den Genuss der Langsamkeit  und  fuehle mich wie eine Hochleistungspraezisionsmaschine, die ... allmaehlich ...zur  RUHE   kommt.
 
Das  Tolle ist,  jetzt habe ich
M U S S E,  das zu machen, was mir gerade einfaellt  und  fast   immer Z E I T   fuer  Ueberraschungen, die von aussen kommen .  Und  es  kommt, und wie !
 
Diese  U N R U H E ,  dieser Drang, immer etwas machen zu muessen  wird weniger,  Gott sei Dank !     Platzen Verabredungen, dann platzen sie eben.  Brauch ich nicht raus und mich aufbrezeln.  -   Spanne meine rosa Haengematte mit der romantischen  Haekelspitzenborduere,  leg mich schaukelnd rein,  mach die Augen zu, mein  K O P F K I N O  an ...   und guck mir meine eigenen Filme an.
 
Bloss, jetzt bin ich verwirrt.    
Wo  spielt  sich  nun  das Leben  ab ?

 
Deine             Mom

Brief 9


Lieber  Axel !
Brasilien ist nicht Europa.  Hier ist  n i c h t s  wie in Europa, wie mir einmal eine Paulista  in Leo`s Pension sagte.  Das Leben spielt sich laut und laermend auf der Strasse ab.  Am Anfang war ich immer richtig beleidigt, wenn es dicke kam, aber mit der Zeit ......  gewoehnt man sich an alles.

Aber was sich an Karneval an Flugzeuglaerm ueber unseren Koepfen abgespielt hat, uebersteigt das Mass der Vorstellung.

Das Verkehrsaufkommen muss sich mindestens verdreifacht haben. Es gibt kein Nachtflugverbot. Die Maschinen rasen 24Stunden  am Tag im Tiefflug ueber unseren Stadtteil hinweg  und  ich denke mir,  so oder aehnlich muss  FLIEGERALARM  gewesen sein, als die aliierten Streitkraefte  Nacht fuer Nacht  BERLIN  aus der Luft angriffen  und meine Mutter sich mit mir als Baby, mit Kinderwagen und Notkoefferchen in den Luftschutzkeller (Bunker)  retten musste.

In  Deutschland war es frueher auch nicht anders. Ich erinnere noch die massiven Protestkampanien der Buergerbewegungen gegen die Laermbelaestigung aus der Luft.  Was fuer ein Kampf !  Und wie lange er gedauert hat ! 
Wir hatten Verwandte in  Hamburg - Fuhlsbuettel und ich weiss noch, wie uns beim Kaffeetrinken im Garten fast vor Schreck ueber die Tiefflieger die Kuchengabeln aus der Hand fielen.

KARNEVAL  heisst  mehrere Tage frei, Hochsommer, Reisezeit. 
Die Massen stroemen an die Straende. Der Alkohol - und Laermpegel steigt.
PKW`s,  Buggis, Allradfahrzeuge und Quadrociclos, die wie knuffige kleine Minitrecker aussehen und auf denen mit Vorliebe fette Typen sitzen, rasen ueber Strand - und Duenengelaende und verbreiten Benzingestank. Es ist nicht anders wie auf der Strasse -  Kinder und Fussgaenger leben gefaehrlich.

Der schoenste Ort an Karneval ist zuhause. Alle Nachbarn weg. Selbst der kleine Eisladen um die Ecke hat geschlossen.
Meine Freundin  Luciane  zeigt mir unbekannte Ecken mit Atmosphaere in der Stadt. Wir fahren gemuetlich  menschenleere Strassen entlang und gucken uns  ìhre` Haeuser an, schnuckelige, kleine Ueberbleibsel aus der Kolonialzeit mit feligranen Schmiedeeisengittern vor Tueren und Fenstern, alten schattenspendenden Baeumen vor gemuetlichen Veranden und altmodischen,  niedrigen Maeuerchen .....  Kleinode, von denen sie traeumt.
Wir schlendern die ungewohnt uebersichtliche Strandpromenade entlang (Av.Beira Mar),  geniessen das fantastische Eis von  50 Sabores  und   probieren die  Pizzaria  Vila  Mosquito  aus.
Das  war`s  an  Karneval.

Deine
          Mom




 

Brief 8

Meine Mutter srach viel von der `schlechten Zeit` nach Kriegsende, als es nichts gab und die Menschen hungern  mussten. Deutschland  ein  Truemmerhaufen. Transportwesen, Industrie, Handel, Landwirtschaft  zerschlagen.  Die Bevoelkerung  z.T.  heimatvertrieben, obdachlos, traumatisiert, psychisch und koerperlich angeschlagen, unterernaehrt, krank. Viele Kinder rachitisch.  Die Versorgungslage dramatisch.  Alle Reserven aufgebraucht ohne Nachschub an Lebensmitteln, Kleidung, Holz und Kohlen. Die Menschen in eiskalten Wohnungen zusammengedraengt und sich mit ihrer Koerperwaerme am Leben haltend.  Moebel wurden zu Brennholz zerhackt werden - es gab einfach  n i c h t s.   Vor diesem Hintergrund dann der lange, harte WINTER  1946/47   !    Meine Mutter erzaehlte immer wieder mit Schaudern, wie die Menschen auf der Strasse einfach umfielen  -  vor HUNGER, KAELTE und NOT.   Wohl dem, der Verwandte auf dem Land hatte ! Aber dort hinzukommen !!!  Den Bauern ging es noch am besten in der schlechten Zeit.  Geld war nichts wert.  Der  TAUSCHHANDEL  bluehte.
Die Menschen gaben  GOLD  fuer  BROT. 
Meine Mutter hat das immer wieder erzaehlt, wie sie ihren Schmuck, die Uhren, das Tafelsilber ... alles hergaben fuer eine Scheibe Brot, ein Ei, einen halben Liter Milch.....

Die  HAMSTERFAHRTEN  aus BERLIN  raus ins UMLAND  waren ihre besten Geschichten.   HAMSTERN  war verboten. 
Aber wer in der Stadt nicht verhungern wollte und Tauschbares hatte, musste irgendwie zu den  BAUERN  und  WERTGEGENSTAENDE  gegen  ESSBARES  eintauschen.  Ich erinnere noch die hochdramatischen, weil gefaehrlichen, Hamsterfahrtgeschichten  meiner Mutter in die KIRSCHGEGEND  Berlins ` WERDER`  und ` CAPUTH`.

Ein Foto aus dem Familienalbum mit trostlosen Gestalten  in einem trostlosen Raum um einen nackten, runden Tisch mit einem halbleeren Pappteller in der Mitte habe ich nie vergessen.  WEIHNACHTEN  1946  .
Niemand strahlt in die Kamera. Alle ernst, bleich und duenn.
Auch mein Vater, den ich in meinem ganzen Leben nicht wieder so schlank gesehen habe.

Brief 7

Lieber  Axel !
 
Bei mir trudeln  so unglaublich  kalte Wetterberichte  aus Deutschland und Schweden ein, dass es mir einen Gaensehautschauer nach dem anderen ueber den Ruecken jagt.  Man koennte meinen, die Eiszeit steht vor der Tuer  -  so jedenfalls sieht es von Brasilien  aus gesehen aus.
 
Nach so vielen milden Jahren  ein richtiger Winter  mit  Schnee, der nicht aufhoeren will zu fallen,  Fellboots, Wollhandschuhen, Pudelmuetzen,  zugefrorener Alster und  Schneelawinenbergen, die in die Elbe gekippt werden muessen, weil sie sonst nirgendwo hinpassen.
 
Die Berichte ueber die besondere Wetterlage und das dazugehoerige Chaos in meinem wohlgeordneten Heimatland  gehen mir wie Oel runter und ich hoere auch sofort mit dem  laeppischen Gestoehne ueber das bisschen Hitze auf  in Anbetracht der viel dramatischeren Lage in deutschen Landen  -   seit  zwei Monaten  Autos, die  staendig ineinanderrutschen, Knochenbrueche von waghalsigen Fussgaengern, die sich auf Eispisten vorwaertsbewegen,  Streudienste, denen die Streu ausgeht, Rettungsdienste, die an ihre Einsatzgrenzen gelangen  und  alten und gebrechlichen Menschen, die  solange schon wegen der Glatteisgefahr das Haus nicht mehr verlassen haben.  -
 
Wir haben hier zwar gerade Hochsommer, aber auch ich bleibe wie die deutschen Rentner tagsueber lieber im Haus und  fuehre  ein bewegungsreduziertes, energiesparendes Murmeltierdasein mit festen Ausgehzeiten  zur goldenen Morgenstund  und  angenehm warmen Daemmerstund  !!!   Doese  zu ungebuehrlichen Zeiten ungeniert vor mich hin .. falle zur Siestazeit in todesaehnlichen Tiefschlaf. .. und  versuche in den Mussestunden, Details aus meiner fruehen  ostberliner  Nachkriegskindheit  auszugraben.   Von Maren in Hamburg hoere ich nun, dass dieser strenge  Winter  2009/10  schon mit dem  Horrorwinter 1946/47  von einst verglichen wird.  Das muss grauslig gewesen sein.  Ich habe selbst keine Erinnerung daran, ich war ja Baby,  aber mit einer Mutter gesegnet, die es  verstand, auf dramatische Weise so plastisch zu erzaehlen, dass sich mir viele ihrer Geschichten  schon wegen der drastischen und oft witzigen Wortwahl auf immer und ewig eingepraegt haben.

Im naechsten Brief  schreibe ich dir dann, was mir von den Erzaehlungen meiner Mutter  ueber den schrecklichen Winter 1946/47  in  Erinnerung  geblieben ist.

   Liebe  Gruesse

     deine
              Mom

Brief 6

Lieber Axel!

Erinnerst du dich noch an Maren,  meine gute alte Freundin aus Hamburg ?
Als treue  CHRISTAS_TAGEBUCH - Leserin gibt sie naemlich immer dann einen Ton von sich, wenn es um ernsthafte, sozio-kulturelle Probleme geht.
Mentalitaetsunterschiede sind eines ihrer Lieblingsthemen.  Da wird sie ganz munter.

Gestern mailt sie mir, dass die brasilianischen Fussballspieler in der Bundesliga mehr Schwierigkeiten haben als alle anderen suedamerikanischen Spieler
So muss Ze Roberto jetzt beim  HSV  eine Geldstrafe zahlen, weil er ohne Benachrichtigung 14 Tage zu spaet zum Training aus dem Heimaturlaub eintraf.
Ein anderer Spieler haelt es vor Heimweh nicht aus und geht nach  São Paulo zurueck.
Zwei klassische Faelle.  Zwei gute Beispiele.  Heimweh  und  Verantwortung - zwei  Hauptbegriffe der brasilianischen Seele. -

Brasilianer halten es nicht aus, von ihrer Familie getrennt zu sein.
Sie brauchen ihren Clan stets um sich oder muessen zumindest in staendiger Telefonverbindung stehen.  Sie brauchen ihre gewohnte Umgebung, ihre Freunde, ihre Sprache und ihren Reis mit Bohnen.

Nicht puenktlich zum Training  zu erscheinen ist normal.
Hier ist niemand puenktlich. Brasilianer halten sich nicht an Absprachen. Sagen nicht bescheid, sagen nicht ab, plappern ohne ihren Gehirnskasten einzuschalten, versprechen, geloben, wollen alles  und  -   vergessen.  Wie Kinder.  Reden ohne Pause ......... hat aber alles nichts zu sagen, kannst du auch vergessen !

Brasilien ist immer noch Cowboyland  -  Wilder Westen.
Wild im Sinne von.. .  ohne Bildung und Erziehung,  ohne Recht und Ordnung. Jeder macht, was er will.  Jeder beklaut jeden.

Wenn  Ze Roberto  nicht rechtzeitig zum Trainingsbeginn erscheint,
weil er lieber bei seiner Familie und seinen Freunden bleibt, ist das, wie gesagt, normal und fuer Brasilianer ...  verstaendlich und entschuldbar.

Viele liebe Gruesse

      Deine
            Mom 

            

Brief 5


Lieber Axel !

Ploetzlich und unerwartet ... kam ich zu dem Glueck,  von Mundaú nach Fortaleza in einem Mercedes  Benz  zurueckzuschweben  .  Stell dir vor, es hatte sich  aus Versehen ein Mercedes Mitarbeiter aus  CAMPINAS im Staate São Paulo mit Familie in Leo`s  himmlisch verlodderte Pension verirrt und musste just an meinem Abreisetag zu einer Arbeitsbesprechung nach Fortaleza zurueck.
Das war vielleicht ein Gefuehl, wie in Watte gepackt und gut gefedert, geraeuschlos sanft ueber den Provinzasphalt zu gleiten.
Wie ich das genossen habe  -  nach so langer Zeit mal wieder gepflegt reisen !!!
 

Brief 4


LANGE  KANNST  DU  NICHT  MEHR  WARTEN, du solltest schon kommen, solange  LEOS  PENSION  noch im  TROCKENEN  steht. Er hat seinen Schutzwall aus Steinen gegen die bedrohlich naeherrueckende FLUT gerade mal wieder erhoeht.  -  SIEBEN  Meter von seinem Grundstueck hat er bereits an die Fluten verloren, der Abstand zwischen dem auflaufendem Wasser  zum Haus verringert sich zusehens. Wenn ich jetzt bei FLUT  auf dem Balkon sitze, habe ich das tosende Meer direkt unter mir. Das war vor einem Jahr noch nicht so.  Beim Fruehstueck sitzen wir schon fast mit den Fuessen im Wasser ...  was ich  zwar herrlich finde  und geniesse ....  aber ... DU  SOLLTEST  BALD  KOMMEN..

Brief 3

Lieber Axel !
Der  TROPENSOMMER in der Stadt  mit seiner  Gluthitze wird mir allmaehlich unertraeglich, und ich sehne mich  nach einer leicht klimagekuehlten Herberge und einem Auto mit Klimo vor der Tuer. -  Leider, leider... ist dies nicht der Fall, aber ich habe  mal wieder einen Grund, ab ans Meer zu duesen. Ausserdem ist ... Ferienzeit !
Ich wuenschte, du waerst hier, um dieses einmalige Naturschauspiel  mitzuerleben !    Eine atemberaubende, unberuehrte Duenenlandschaft, die schon was von der  SAHARA  hat ....   endlos weite, einsame Straende, ab und an rosa-violette Plusterwolken am ansonsten blauen Himmel, staendiger warmer Wind, der die Haut streichelt  und darunter das Schoenste, das du dir nur vorstellen kannst  -   das mal tuerkis mal hellgruen schimmernde Meer mit schaeumender Gischt und tosender Brandung. -    Wenn ich zurueck bin, schicke ich dir  Fotos, die ich vom Balkon meines Zimmers aus und auf den Strandspaziergaengen gemacht habe. 
In WIRKLICHKEIT  SIEHT  ABER  ALLES  VIEL, VIEL  SCHOENER  AUS.
Deine
             MOM

Brief 2

Ich habe dir nie von Karina Michele erzaehlt.
Wir wohnten in demselben Haus, damals nach dem Krieg, in Ost - Berlin.
Anfang der 50iger Jahre, als auch dem letzten Betroffenen daemmerte, was ihn in der `Ostzone` mit Kommunismus, Kolchosenwirtschaft, Verstaatlichung von Privateigentum, Verbot von Presse - und Meinungsfreiheit, staatlicher Ueberwachung des Privatlebens... etc erwartete, setzte eine gewaltige Auswanderungswelle ins Ausland ein. Auch meine Eltern hatten schon Formulare auf der amerikanischen Botschaft ausgefuellt (ich erinnere mich noch an die Menschenmenge um uns herum in der Warteschlange), kriegten aber Schiss vor der eigenen Courage und zogen zurueck.
Micheles Eltern aber wanderten wirklich aus - 1952 nach Schweden. Da war ich 7 und sie 9Jahre alt. Wir haben die ganzen Jahre ueber keinen Kontakt gehabt, bis jetzt dieses mail ankam: Bist du die Christa Wiederhold aus der Schoenhauser Allee 107 ?
Nach sovielen Jahren !

Brief 1

Brasilien ist auch kein leichtes Land zum Leben, mailt mir Karina Michele aus Schweden,nachdem sie erfahren hat, wo ich z.Zt. wohne. Sie hat recht. Ich fange an
nachzudenken - und dann langsam an meinem Verstand zu zweifeln.
War der Schritt vielleicht nicht doch ein bisschen zu radikal ?
Aus dem ueberzivilisierten, ueberorganisierten, hochindustrialisierten Deutschland in den armen, rueckstaendigen, heiss - tropischen Nordosten dieses sich in der Entwicklung befindenden Kontinentlandes Brasilien ?
Ok, ich habe Westafrika - Erfahrung und kam nicht ganz blauaeug hier an. Wusste, dass die tropische Mentalitaet anders tickt, dass ich Kultur und vieles andere abschreiben koennte... und dachte.. no problem, hab`ich ja alles schon gehabt.
Naja, jedenfalls habe ich jetzt, was ich gewollt habe: ein warmes Land, freundliche Menschen, niedrige Lebenshaltungskosten und jede Menge neuer Herausforderungen in meinem Alter !
Kreuzwortraetsel-Hefte brauch ich nicht zu kaufen, dafuer lern ich Portugiesisch !